Der Unterschied zwischen sozialer Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit

Jeder Mensch denkt anders, tickt anders, fühlt anders, hat individuelle Begabungen, Wünsche etc. Demzufolge hat jeder Mensch eine eigene Vorstellung vom Lebensglück. Aus dieser Unterschiedlichkeit entsteht etwas, das Gesellschaften und Volkswirtschaften erfolgreich macht: Vielfalt. Was wir daher brauchen, sind mehr Möglichkeiten für die Menschen, ihre individuelle Form des Lebensglücks zu verwirklichen – sofern der betreffende Weg mit den Grundsätzen menschlichen Zusammenlebens, i.e. den Menschenrechten, vereinbar ist.

Soziale Gleichheit wird es nie geben können und sollte daher auch nicht das Ziel politischen Handelns sein. Was der letztlich grandios gescheiterte Versuch angerichtet hat, in Teilen Europas soziale Gleichheit herzustellen, haben viele von uns noch gut in Erinnerung. Soziale Gerechtigkeit hingegen muss immer die Prämisse politischen Handelns sein. Aber da fängt auch das Problem schon an: Wer bestimmt, was gerecht ist? Anhand dieser Frage lässt sich der Unterschied zwischen sozialistischer und liberaler Ideologie unter anderem festmachen:

Die sozialistische Ideologie will soziale Ungleichheiten aufheben. Demnach ist die politische Führung dafür zuständig, finanzielle Mittel gerecht zu verteilen, die sie vorher eingehoben hat. Die Idee der gerechten Mittelverteilung ist ja an sich gut gemeint. Der Versuch, sie zu realisieren, hat nur gravierende Nachteile: 1.) Was gerecht ist und was nicht, ist eine sehr subjektive Frage – siehe oben. Die Entscheidungsgewalt in einer nur individuell zu beantwortenden Frage an eine Autorität abzugeben, kann auf Dauer nicht hilfreich sein. 2.)  Die Bürokratie wird gefördert 3.) Die Dynamik wird gehemmt und die Tendenz erhöht, Verantwortung abzugeben; nach dem Motto, „Der Papa (Staat) wird’s schon richten“.

Die liberale Ideologie geht davon aus, dass der Staat vor allem die Strukturen schaffen soll, die nötig sind, um Chancengleichheit herzustellen. Auch diese wird man vermutlich nie zu 100 Prozent erreichen, aber der Versuch ist es in diesem Fall wert. Die Idee dahinter ist die Gleiche wie im Sozialismus, nämlich: Allen Menschen soll es gut gehen. Aber der Weg dorthin macht den entscheidenden Unterschied. Der Liberalismus geht vom Prinzip der Eigenverantwortung aus. Er gibt den Menschen die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was „Mir geht es gut“ bedeutet. Diese Freiheit hat einen Preis: Sie führt zu weniger Sicherheit. Freiheit und Sicherheit sind einander ausschließende Prinzipien. Das ist für viele Menschen eine Herausforderung. Der liberale Staat hat daher die Aufgabe, die Menschen bei der Bewältigung dieser Herausforderung zu unterstützen. Wie kann er das tun? Indem er 1.) für bestmögliche Ausbildung sorgt 2.) das Selbstvertrauen der Schulkinder stärkt 3.) Freiraum für wirtschaftliche Dynamik schafft, z.B. durch Förderung von Mitarbeiterbeteiligung sowie freiem Unternehmertum; und erst in letzter Konsequenz 4.) indem er Menschen aus der Patsche hilft, die mit ihrem Versuch gescheitert sind, ihre Existenz aufzubauen. Diese Unterstützung soll konsequent und zielgerichtet erfolgen.

Diese Idee hat entscheidende Vorteile: 1.) Sie benötigt weniger Bürokratie und fördert damit die Produktivität. 2.) Sie setzt finanzielle Ressourcen frei, die vorher für den Staatsapparat genutzt wurden. 3.) Dieses Geld kann verwendet werden, um Bildung, Forschung, Unternehmertum etc. zu fördern. 4.) Sie wertet die individuelle Tatkraft der Menschen auf. 5.) Sie führt im Idealfall zu einem höheren individuellen Selbstwertgefühl.

Soziale Gleichheit ist eine gefährliche Utopie. Soziale Gerechtigkeit hingegen ist eine unumstößliche Grundlage menschlichen Zusammenlebens, bedarf aber des intensiven Einbezugs der Individuen und deren Mut zur Eigenverantwortung.

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1 Kommentar
  1. Wahre Worte… Jetzt müssen wir nur endlich gemeinsam den Versuch wagen, soziale Gerechtigkeit über Eigenverantwortung (wieder) in der Gesellschaft zu etablieren. Wir müssen den Menschen endlich wieder mehr zutrauen und Ihnen das Gefühl der Wertschätzung wieder zurückgeben.

    Anm.: Noch ein paar Blog-Einträge und es folgt ein „LIKE“ 😉

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