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Archiv für den Monat Juni 2013

Wenn man von Eigenverantwortung in der Gesellschaft spricht, kommen oft Einwände wie: Diese Forderung sei nichts anderes als der versteckte (und natürlich „neoliberale“!) Versuch, Sozialleistungen abzubauen; oder: mehr Eigenverantwortung führe Gesellschaften ins Verderben, weil damit der soziale Zusammengehalt gefährdet werde. Genau das Gegenteil ist meiner Meinung nach der Fall: Eigenverantwortung ist – richtig gelebt – der Schlüssel zu einer besseren Gesellschaft.

In erster Linie halte ich Eigenverantwortung nicht für eine politische Methode, sondern für die einzige Möglichkeit, als Mensch überhaupt ein sinnerfülltes, zufriedenes Leben zu führen. Jedes Abgeben von Verantwortung an ein anderes Individuum, eine Institution oder einen Umstand macht unfrei und abhängig.

Wenn es draußen regnet und kalt ist, und jemand sagt, er sei schlecht gelaunt, weil es regnet und kalt ist, kann ich nur sagen: Armer Mensch, der sein Lebensglück ans Wetter auslagert! Beim Wetter beginnt es, bei Regierungen, Gewerkschaften etc. hört es auf. Je mehr wir unseren Erfolg einer Institution anvertrauen, desto mehr nehmen wir uns die Chance, ihn selbst herbeizuführen. Damit das einmal klar gesagt ist: Niemand anderer als du selbst kann jemals ein ähnlich großes Bedürfnis nach deinem Glück haben, wie du selbst. Der Gewerkschafter hat primär seinen Erfolg als Gewerkschafter im Sinn, danach kommen erst die Interessen der von ihm Vertretenen. Das ist kein Kulturpessimismus, das ist die reine Logik.

Das ist auch das Problem der Gewerkschaften, wie wir sie heute in den meisten Ländern der industrialisierten Welt kennen: Sie kämpfen mindestens ebenso stark für ihre eigene Existenz wie für die Interessen der Arbeitnehmer. Ein Unternehmer, der sich tagtäglich für den Fortbestand und das Wachstum seiner Firma einsetzt, tut mehr für die Arbeitnehmer als die Gewerkschaft.

Ich glaube, es ist wichtig, dass die Arbeitnehmer ihre Interessen wahren. Das gilt vor allem für managergeführte und ganz besonders für börsenotierte Unternehmen. Es muss ein Gleichgewicht herrschen zwischen den Interessen des Managements und der Investoren sowie denen der Arbeitnehmerschaft. Allerdings glaube ich nicht, dass die Gewerkschaften, wie wir sie heute kennen, diese Aufgabe zufriedenstellend erfüllen. Und zwar aus einem einfachen Grund: Sie wollen sich selbst nicht gefährden. Viele innovative Ansätze zur Besserstellung der Arbeitnehmer würden aber dazu führen, dass Gewerkschaften geschwächt würden – zum Beispiel das Modell der Mitarbeiterbeteiligung. Ein Mitarbeiter, der selbst zu einem gewissen Grad Unternehmer, weil Teilhaber ist, braucht über kurz oder lang keine Gewerkschaft. Mit anderen Worten: Ein eigenverantwortlicher Mitarbeiter braucht im Idealfall keine Gewerkschaft; deshalb mögen die Gewerkschaften das Wort Eigenverantwortung nicht; weil sie ihnen die Existenzberechtigung nimmt. Und in diesem Sinne gebe ich auch Frank Stronach bei seiner Kritik der Gewerkschaften recht.

Das hier ist vermutlich das krasseste und beeindruckendste Beispiel zum Thema Eigenverantwortung, das ich je gesehen habe: Zum Ansehen des Videos Link klicken.

Warum kommt so etwas aus den USA? Weil dort die Eigenverantwortung Tradition hat, sie ist Teil der Mentalität. Und was macht dieser Mann? Er lässt sich nicht nur von seinem Schicksal nicht unterkriegen, sondern er macht auch noch ein Geschäft draus! Ich bin weit weg davon, ein USA-Verherrlicher zu sein, aber in diesem Punkt müssen wir sie uns zum Vorbild nehmen.

Das politische System und die Gesellschaft in Österreich sind stark von Fremdverantwortung geprägt. Hier ist es normal, sich darauf zu verlassen, dass eine Organisation für einen das tut, was man selbst sich nicht zutraut; und vor allem, Kosten für eigenes Handeln auf die Allgemeinheit zu überwälzen. Das hat mit sozial nichts zu tun, sondern nur mit mangelnder Verantwortung für das eigene Leben. Dieser Hang zur Fremdverantwortung hat uns das politische System gebracht, das wir haben und das mehr und mehr zum Hemmschuh wird – weil es leider zu teuer und ineffizient ist. Es gibt schlicht und einfach zu viele Leute, die irgendwen irgendwie vertreten wollen, als solche, die produktive Arbeit leisten.

Die noch herrschenden Altpolitiker versuchen, uns einzureden, das alles eitel Wonne sei und dass wir sie sowie den überfrachteten Verwaltungsapparat brauchen, um unseren Wohlstand zu sichern. Das stimmt nicht. Entweder sie wissen es nicht besser – dann sind sie schlecht informiert – oder sie lügen. Die internationalen Standortrankings der letzen Jahre beispielsweise sehen Österreich kontinuierlich am absteigenden Ast. Schuld daran ist zu einem wesentlichen Teil die Bürokratie und überbordende Verwaltung. Wer behauptet, dass wir das politische System, so wie es heute ist, brauchen – Stichwort Kammerpflichtmitgliedschaften, Gewerkschaften, Sozialversicherungsträger, neun Landeshauptleute inklusive betreffende -regierungen – der tut dies in erster Linie, um seine eigene Position zu sichern. Das alleine ist Grund genug, ihn abzuwählen.