Jede Steuer ist eine Vermögenssteuer

Gestern auf einer Party traf ich einen guten Bekannten wieder, den ich lange nicht gesehen hatte, und wie’s halt manchmal so kommt, hatten wir eine kurze politische Diskussion. Er verurteilte darin die Aussagen eines bekannten österreichischen Unternehmers, der einer der wichtigsten Vertreter einer neuen politischen Bewegung ist – und als solcher anregte, über höhere Vermögenssteuern nachzudenken.

Ich habe noch nie verstanden, warum manche Menschen so pauschal ablehnend bis empört reagieren, sobald jemand das Thema Vermögenssteuern aufbringt. Mir leuchtet diese prinzipielle Ablehnung aus einem einfachen Grund nicht ein: Nämlich aufgrund der Tatsache, dass de facto jede Steuer das private Vermögen mindert. Auch die Einkommenssteuer und die Umsatzsteuer, um nur zwei zu nennen, sind in ihrer Wirkung für den Einzelnen Vermögenssteuern. Denn als Bürger zahle ich sie ja schließlich auch aus meinem privaten Vermögen. Streng genommen ist der Ausdruck „Vermögenssteuer“ also ein Pleonasmus. Was soll daher die Aufregung?

Es muss in einem effizienten, bürgerfreundlichen Staat selbstverständlich darum gehen, die Steuerlast für die Menschen so niedrig wie möglich zu halten – bei gleichzeitig bestmöglicher Erfüllung der staatlichen Aufgaben. Welche Steuern man aber heranzieht, um den Staatshaushalt zu finanzieren, sollte kein Anlass für weltanschauliche bzw. ideologische Diskurse sein. Es geht vielmehr darum, in möglichst gerechter, ausgeglichener und effizienter Art die Kosten der öffentlichen Hand hereinzubekommen.

Natürlich ist das Argument sehr einsichtig, Vermögenssteuern seien aus verschiedenen Gründen ineffizient und daher mit Vorsicht zu genießen. Beispielsweise sind sie relativ teuer in dem Sinne, dass sie in der Einhebung viel Aufwand erfordern und dafür vergleichsweise wenig einbringen. Aber das ist ein völlig anderer Diskussionsansatz und ein vernünftiges Argument – im Gegensatz zu dem gegebtsmühlenartig vorgetragenen Stehsatz, Vermögenssteuern seien ein inakzeptabler Angriff auf das Privatvermögen der Bürger. Dieses Argument ist schlicht und einfach unsinnig – denn wie schon erläutert, trifft dieser Nachteil auf ausnahmslos jede Steuer zu.

Solange jemand also prinzipiell dafür ist, die Steuerquote generell so weit wie möglich zu senken, kann ich nicht nachvollziehen, warum man es ihm übelnehmen sollte, auch über die sogenannten „Vermögenssteuern“ nachzudenken – selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass etwaige Erhöhungen bei einer bestimmten Steuerart durch mindestens ebenso starke Absenkungen bei (einer) anderen wettgemacht werden.

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