Ladenöffnung? Ramsch rein, Österreich raus!

Letzten Sonntag, bei einem Abendspaziergang durch die Wiener Innenstadt mit meiner Frau, fiel uns eines ganz vehement auf: Alle zwei Meter (gefühlt, nicht gemessen) kommt man an einem offenen (!) Souvenirshop vorbei. Ihr wisst schon, geneigte Leser: Das sind diese Läden, in die kein normaler Mensch einen Fuß setzen sollte, weil sie den reinen Schund feilbieten. Das sind die Geschäfte, die ihren Umsatz hauptsächlich aus dem Handel mit billigem Plastikzeug generieren, das vorgibt, österreichischer Provenienz zu sein und österreichische Tradition zu vertreten. In Wirklichkeit ist die Ware aber genau das Gegenteil: Massenproduktion aus Ländern, wo man „Österreich“ vermutlich nicht einmal aussprechen kann, geschweige denn weiß, wo das liegt.

Die wirklich österreichischen Geschäfte aber müssen geschlossen bleiben. Das sind jene, wo Touristen etwas kaufen könnten, das echter heimischer Tradition entspringt. Das sind im übrigen auch jene, die in den meisten Fällen Wertschöpfung in Österreich bzw. Europa schaffen, weil sie hier hergestelltes Handwerk verkaufen und damit in unserem Wirtschaftsraum Arbeitsplätze sichern. Beispiele: Jungmann & Neffe, Lobmeyr, Österreichische Werkstätten, Zur Schwäbischen Jungfrau, R.Horn, Frick und viele, viele andere. Die sind alle geschlossen; müssen sonntags geschlossen bleiben, weil es ihnen die Gewerbeordnung vorschreibt. Die Ramschläden mit dem China-Klumpert aber, die dürfen offenhalten. Da drängt sich eine Frage auf: Liebe Wiener Gewerbeordner, seids ihr gegen ein Kastl grennt?

Es ist geradezu heuchlerisch, hinsichtlich der Ladenöffnungsbestimmungen ein derart zwiespältiges System zu etablieren. Die Argumente der Gewerkschaft gegen die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten in Österreich lauten ja oft: Wir müssen die armen Arbeitnehmer vor der unternehmerischen Ausbeutung in Form von Sonntagsarbeit schützen. Aha – und die Mitarbeiter in den Souvenir-Shops, die sind nicht schützenswert, oder was? Sind die weniger wert? Einmal ganz abgesehen davon, dass es nicht Sache des Ladenöffnungsgesetzes sein kann, für humane Arbeitsbedingungen zu sorgen, sondern nur jene des Arbeitnehmerschutzgesetzes (Copyright Niko Alm). Außerdem abgesehen davon, dass es genügend Menschen gibt, die nichts dagegen haben, am Sonntag zu arbeiten, weil ihnen dieser Einsatz mit entsprechender Freizeit unter der Woche kompensiert wird.

Aber einerseits die österreichische Wirtschaft zu schädigen, indem man den Geschäftstreibenden verbietet, ihre Öffnungszeiten selbst zu bestimmen, und andererseits den Souvenir-Ramsch von diesem Zwang auszunehmen, das schlägt dem Fass den Boden aus.

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