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Archiv für den Monat Mai 2014

Es gibt ein Prinzip, das positive Entwicklung fördert. Es lautet: Zusammenarbeit. Es gibt ein Prinzip, das positive Entwicklung hemmt. Es lautet: Angst. Zusammenarbeit erfordert Mut. Wo er fehlt, herrscht die Angst. Wo die Angst herrscht, ist es zur Isolation nicht weit – und die hat noch nie jemanden weitergebracht, es sei denn er wäre Eremit. Vor ein paar hundert Jahren haben Siena und Florenz noch gegeneinander Krieg geführt. Heute sind sie Teil einer Republik, die selbst Teil einer Staatengemeinschaft ist. Wo Zusammenarbeit und Partnerschaft auf vernünftige Weise betrieben werden, ist Prosperität das Ergebnis – alle Beteiligten profitieren. Die Zusammenarbeit innerhalb der EU hat den beteiligten Staaten und ihren Menschen gesamthaft betrachtet Vorteile gebracht.

Jede neue Entwicklung hat das Potenzial, bei manchen Beobachtern Angst zu erzeugen. Da reicht schon mal eine Jahrtausendwende. Aber es gibt auch viele andere Beispiele. In den Anfängen der Eisenbahn soll es Stimmen gegeben haben, die behaupteten, ein Zug könne niemals schneller als 40 km/h fahren, da die Passagiere sonst hirn- und lungenkrank werden würden.

Die Angst ist auch ein beliebtes politisches Instrument. Wo Angst herrscht, können Menschen leichter gesteuert werden. Angst vor einer Neuerung zu verbreiten, hat daher oft auch damit zu tun, Popularität erringen zu wollen. Wenn heute seitens mancher Politiker das geplante Freihandesabkommen zwischen den USA und der EU, TTIP, als einzige Bedrohung bezeichnet wird, so ist genaueres Hinsehen angebracht. Eines der Argumente gegen das Abkommen lautet: US-Konzerne würden nur darauf warten, die hohen europäischen Umweltstandards zu untergraben und EU-Märkte mit gesundheitsschädlichen Lebensmitteln zu überschwemmen. Das kann man so sehen. Aber es geht auch anders: 1.) Die USA haben in manchen Bereichen höhere Umweltstandards als die EU, z.B. Kalifornien hinsichtlich der Abgasnormen 2.) In einem ordentlich ausgehandelten Abkommen haben beide Partner die Möglichkeit, den jeweils anderen Markt zu erobern. Was, wenn hochwertig produzierte europäische Lebensmittel plötzlich der große Renner in den USA würden? Was, wenn wir Europäer mittels eines solchen Abkommens plötzlich die Möglichkeit hätten, die USA dort, wo es nötig ist, positiv zu verändern? Was, wenn wir den Mut und die Vision hätten, mit unseren hohen Umweltstandards auch außerhalb Europas die Welt ein bisschen besser zu machen, statt Angst davor zu haben, von den bösen Amis vergiftet zu werden?

Ja, TTIP birgt auch Gefahren – große Gefahren. Diesen Gefahren mutig zu begegnen und das Abkommen so zu gestalten, dass die beiden Kontinente insgesamt profitieren, das ist die große Herausforderung. Aber deswegen die ganze Idee von Anfang an verteufeln? Es gibt keine Entwicklung ohne Risiko. Klar kann man sich auch in seinen Schrebergarten zurückziehen und Dancing Stars anschauen, weil’s so schön komfortabel ist. Nur wird es einen nicht weiterbringen. Die USA sind nicht grundsätzlich schlecht. Sie haben uns viele großartige Entwicklungen gebracht, auch in ökologischer Hinsicht. Große Konzerne sind nicht grundsätzlich schlecht. Sie schaffen Arbeitsplätze und Wohlstand, sie entwickeln so manche Produkte, die vielen Menschen ein besseres Leben ermöglichen. Natürlich sind immer die entsprechenden Regulative zu schaffen, um schädliches Verhalten zu mächtiger Konzerne zu vermeiden – aber das ist ja irgendwie trivial.

Erich Fried hat gesagt: „Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt.“ TTIP kann man auch als Versuch sehen, die Welt zu verbessern – nämlich durch Partnerschaft. Warum sollte etwas, was innerhalb Europas funktioniert, nicht auch zwischen zwei Kontinenten und in weiterer Folge auf dem ganzen Planeten funktionieren?

Zum Thema Angst ein Lesetipp: Matthias Horx, „Die Industrie der Angst“

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