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Archiv für den Monat Oktober 2014

Neulich hat Armin Wolf NEOS-Chef Matthias Strolz ein wenig provokant gefragt, was dieser zu den vielen Fettnäpfchen sage, in die seine Bewegung in den letzten Monaten getreten sei. Richtig, Herr Wolf, Fett“näpfchen“ waren es, schlimmstenfalls. Diese nehmen sich durchaus vertretbar aus, verglichen mit den Fett-Trögen, in die unsere Regierung seit Jahrzehnten steigt bzw. sich mit erstaunlicher Konsequenz darin aufhält.

Beispielsweise ein Pensionssystem, das junge Generationen massiv benachteiligt sowie von Privilegien für Beamte sowie Angehörige der Regierung und staatsnaher Betriebe gekennzeichnet ist; und ein Sozialminister, der dieses System dennoch als zukunftssicher verteidigt, obwohl die Bundeszuschüsse Jahr für Jahr steigen müssen, damit es nicht zusammenkracht.

Der nächste Fett-Trog: ein Schulsystem, das gleichzeitig eines der teuersten und schlechtesten im EU-Raum ist; das durchsetzt ist von politischer Einflussnahme statt von Unabhängigkeit und Qualitätsstreben; und das dafür verantwortlich ist, dass 20 % der 15-Jährigen nicht sinnerfassend lesen können (PISA-Studie 2013). Gleichzeitig lässt sich kein nennenswerter Versuch seitens der Regierung erkennen, diesen Missstand zu ändern. Es dräut der Verdacht, man nähme die Unbildung des Volkes ganz gern in Kauf – ein Schelm, der hierbei Böses denkt.

Weiter geht es mit einer Wirtschaftspolitik, die es Unternehmen immer schwerer macht, sich zu entfalten, zu wachsen und Arbeitsplätze zu schaffen; die es jungen Unternehmen besonders schwer macht, erfolgreich zu starten, indem eine veraltete Gewerbeordnung und unnötige Bürokratie ihnen Hürden in den Weg stellen; was in weiterer Folge natürlich zu steigender Arbeitslosigkeit führt. Gleichzeitig aber wird jede Person, die unternehmerisch tätig sein will, dazu gezwungen, einer sogenannten Interessenvertretung anzugehören, deren Verdienste für die Vertretenen eher spärlich ausfallen; und die den Einsatz ihres Jahresbudgets von einer knappen Milliarde Euro, gespeist aus Zwangsbeiträgen, nicht transparentmacht.

Für die Hypo Alpe Adria reicht wohl der Begriff Fett-Trog nicht mehr, das ist wohl schon ein Fett-Meer. Erst notverstaatlicht man eine Bank, wobei die dafür nötige „Not“ von einigen Experten stark angezweifelt wird. Dann verzögert man jahrelang die geeigneten Maßnahmen, mit denen der Schaden für die Steuerzahler zu minimieren gewesen wäre; und schließlich erlässt der Finanzminister ein Schuldenschnitt-Gesetz, das wenige Monate danach von mehr oder weiger allen namhaften Banken und Versicherungen des Landes vor Gericht angefochten wird, weil es gegen die Verfassung verstoße.

Wer noch nicht genug hat, der denke an das hiesige System des Föderalismus, das dazu führt, dass neun Landesregierungen zu den selben Themen ihre eigenen Gesetze erlassen; während dessen machen neun Landeshauptleute die Mauer, sobald es darum geht, für mehr Effizienz, Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit zu sorgen. Gleichzeitig steigt der Schuldenstand der Länder Jahr für Jahr auf neue Höhen – und damit per Finanzausgleich jener des Staates. NEOS zeigt wenigstens Wege auf, wie man Fett-Tröge des hier geschilderten Ausmaßes in Zukunft vermeiden könnte – da sind die paar Fettnäpfchen allemal verzeihlich.

Neulich las ich als Titelzeile auf der Umschlagseite eines Wochenmagazins: „Mein Kind, der Tyrann“. Wenn man sprachliches Gendern konsequent betreiben möchte, müsste die Zeile lauten: „Mein Kind, der/die TyrannIn“. Das Beispiel zeigt, dass das Gendern der Sprache unsinnig ist. Niemand stellt sich automatisch einen Buben vor, wenn der Satz so lautet, wie an erster Stelle zitiert. Die Behauptung, das weibliche Geschlecht werde dadurch „unsichtbar“ gemacht, ist ein Hirngespinst. Noch dazu, wo sich das Wort „Tyrann“ ja auf ein sächliches Subjekt bezieht, nämlich „mein Kind“. Das beweist, dass das grammatikalische Geschlecht nicht immer einen Hinweis auf das biologische Geschlecht gibt. „Der Tyrann“ ist männlich, „mein Kind“ ist sächlich – dennoch versteht man darunter natürlich sowohl männliche als auch weibliche Kinder. Es sind also alle grammatikalischen Geschlechter in einem Satz vereint, obwohl natürlich nur zwei biologische angesprochen sind.

Zweitens aber – und das ist der wichtigere Punkt: Gendern ist das falsche Mittel für das richtige Ziel.

Das eigentliche Ziel des Genderns von Schrift und Sprache ist ja, dem weiblichen Geschlecht volle Gleichberechtigung in der Gesellschaft zu verschaffen. Lassen wir einmal beiseite, dass dies auch die Forderung nach gleichen Pflichten bei Militär- bzw. Zivildienst, Pensionsantrittsalter etc. mit sich bringt. Das grundlegende Ziel ist unterstützenswert und richtig: Frauen als Mitglieder der Gesellschaft anzuerkennen, die den Männern zu 100 % ebenbürtig sind. Dieses Ziel aber durch Verballhornung der Sprache erreichen zu wollen, ist erstens grenzenlos naiv und zweitens kontraproduktiv. Es wird schlicht das falsche Instrument angewandt. Mit einer Beißzange kann ich hundert Mal auf einen Nagel eindreschen, ich werde dennoch nur ein mäßiges Ergebnis erzielen.

Gleichberechtigung der Frauen werden wir nur durch Erziehung zu Selbstbewusstsein sowie durch intelligente Investitionen ins Bildungssystem und in Kinderbetreuungseinrichtungen erreichen. Wir müssen erstens unsere Kinder so erziehen, dass Werte wie Akzeptanz und Toleranz gegenüber ihren Mitmenschen für sie selbstverständlich sind – egal welchen Geschlechts diese Mitmenschen sind, welcher Nationalität oder Religion sie angehören bzw. welche Hautfarbe sie haben. Zweitens müssen wir bei Mädchen von Kindheit an das Bewusstsein fördern, dass sie genauso stark, wichtig und wertvoll sind, wie ihre männlichen Kollegen. Drittens müssen wir den Frauen, die hauptberuflich aktiv sein wollen, den dafür nötigen Freiraum und die entsprechenden Entwicklungsmöglichkeiten verschaffen. Das sind die einzig sinnvollen Wege. An jedes Substantiv ein „In“ anzuhängen, ist nicht nur viel zu wenig, es ist auch methodisch erbärmlich oberflächlich. Vielen Politikern und Verwaltungsbeamten ist dieses Mittel freilich recht: Immerhin sorgt es für reichlich Beschäftigung und dient als Feigenblatt für die mangelhafte Inangriffnahme der wirklichen Herausforderungen.

Die Emotionalisierung des Themas Sprache durch die Gender-Anhänger trägt nicht gerade dazu bei, das oben beschriebene Ziel zu erreichen. Jede Person, die das Gendern als unwirksam bis kontraproduktiv kritisiert, wird als reaktionär, erzkonservativ und fortschrittsfeindlich eingestuft. Aus dieser Schublade wird sie dann nie wieder herausgelassen, egal welche Argumente sie vorzubringen versucht. Das zwanghafte und verbissene Festhalten an einem Instrument, das nicht zielführend ist, macht aber das Eintreten des gewünschten Erfolgs nicht wahrscheinlicher.

Diese Kritik richtet sich natürlich nicht an Formulierungen in persönlichen Gesprächen oder privaten Texten, die zusätzlich zur sprachlichen Logik betonen sollen, dass man beide Geschlechter anspricht. Sie richtet sich an das institutionalisierte und sanktionierte Gendern in Ministerien, Ämtern, Schulen sowie staatsnahen Organisationen.